Kunsthandel Georg Böhringer

»Der moderne Mensch… braucht das Ornament nicht.« schrieb Adolf Loos im Jahr 1908 in der Streitschrift »Ornament und Verbrechen«. Die betont schlichte, auf das Wesentliche reduzierte Formensprache gilt seitdem gemeinhin als Erkennungsmerkmal der Moderne im frühen 20. Jahrhunderts.
Augenmerk unserer Galerie liegt auf dem Außergewöhnlichen des Einfachen, sei es einem Friedrich Gottlob Hoffmann, der um 1780 neue Akzente/Maßstäbe in der Systematisierung der Produktion und im Vertrieb fand (2015 mit einer fulminanten Ausstellung und Katalog im »Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig« gewürdigt) oder einem Jean-Joseph Chapuis mit seiner innovativen Erfindung des weltweit ersten schichtverleimten Stuhls in Leichtbauweise um 1805, der den Geist der thonet’sche Möbelrevolution eine Generation vorwegnahm.
Der Schaukelstuhl von Francois Turpin um 1935 reduziert und minimalisiert Modelle Thonets von 1850 um das Wesentliche und ist trotzdem funktionell und bequem. Etwa zur gleichen Zeit entwickelt Karl Schneider, der wie Vertreter des Bauhauses zur aufstrebenden jungen Moderne der Architektur gehörte, ein Typenprogramm für Möbel. Das Sideboard ist das bislang einzig bekannte realisierte Exemplar. Carlo Mo adaptiert 1980 einen archaischen afrikanischen Stuhl, verändert ihn nur unwesentlich durch neue Materialien und betont dadurch seine ursprüngliche, »moderne« Formgebung.
…und nichts ist, wie es scheint…
Ein Bambusstuhl um 1785 ist nicht einfach aus Bambus, sondern ein »fault bamboo«, ein aufwendigst geschnitztes und gefasstes höfisches Möbel als dreidimensionales »tromp d'euil« von Andreas Kirkerup und Erik Pauelsen.

Jean-Joseph-Chapuis
Jean-Joseph-Chapuis-detail
Armlehnstühle schichtverleimt. Entwurf/Werkstatt: Jean-Joseph Chapuis (1765-1764)…
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Armlehnstühle schichtverleimt. Entwurf/Werkstatt: Jean-Joseph Chapuis (1765-1764)
Erster schichtverleimter gebogener Stuhlentwurf in Leichtbauweise - ein innovativer Meilenstein der Designgeschichte.
Stuehle-William-Chambers
4 Stühle »fault bamboo« um 1786 nach Entwürfen von William Chambers…
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4 Stühle »fault bamboo« um 1786 nach Entwürfen von William Chambers (1723-1796) adaptiert von Andreas Kirkerup (1749-1810) und Erik Paulsen (1749-1790). 
Buche gedrechselt, geschnitzt und gefasst. Originalzustand.
Inventarnr. 338, Stempel »Eigenthum« mit Herzogskrone. »Herzogl. Garten«.
Residenzschloss Altenburg/Thüringen.
Stuhl-Carlo-Mo
Stuhl_back-Carlo_Mo
Chip-Chair; Entwurf: Carlo Mo (1923-2003) für Tecno/Mailand
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Chip-Chair; Entwurf: Carlo Mo (1923-2003) für Tecno/Mailand; limitierte Auflage Tecno Collezione ABV 1965/1991. 
Sideboard-Karl-Schneider
Sideboard-Karl_Schneider_detail
Sideboard, Entwurf: Karl Schneider, Hamburg. Er gehörte vor dem Krieg zu den Stars der jungen Architekturmoderne. Einzig realisiertes bekanntes aus seinem Typenkatalog von 1930-31.
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Sideboard, Entwurf: Karl Schneider, Hamburg. Er gehörte vor dem Krieg zu den Stars der jungen Architekturmoderne. Einzig realisiertes bekanntes aus seinem Typenkatalog von 1930-31.
Schaukelstuhl-Francois-Turpin
chaise-longe-Francois-Turpin
Francois Turpin Chaise longe, Schaukelstuhl oder Fauteuil à bascule…
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Über den Entwerfer Francois Turpin ist außer dem Namen und einem Beitrag in der Zeitschrift „Art et Décoration“ im Mai 1933, S. 153 und 154 von Pierre Migennes unter dem Titel „Les meubles de Francois Turpin“ nichts weiter bekannt. Zwei unterschiedliche Ausführungen aus Winkelstahl und Tuch als Liege oder Chaise longe und Schaukelstuhl oder Fauteuil à bascule sind in weniger als 10 Exemplaren auf dem Kunstmarkt aufgetaucht. Er zählt mit diesen Entwürfen jedoch zur Avantgarde seiner Zeit in Paris, was ein Foto vom Schaukelstuhl mit René Herbst unterstreicht.
Verwandlungstisch-Friedrich-Gottlob-Hoffmann
Harlekintisch-Gillern-Friedrich_Gottlob_Hoffmann
Harlekintisch, Entwurf/Werkstatt Friedrich Gottlob Hoffmann…
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Der »Harlekintisch aus der Werkstatt (F.G.) Hoffmanns stammt laut einer alten Inschrift unter einem der Schubkästen aus dem Besitz der Dominika Anna Maria Freiin von Gillern. Dominika von Gillern wurde 1789 zur Äbtissin von Trebnitz gewählt, dem bedeutensten reichsunmittelbaren Kloster Schlesiens mit vielen Niederlassungen. Vielleicht diente das Möbel als Reiseschreibtisch. Die Beine lassen sich zur Erleichterung des Transports abschrauben.« (Michael Sulzbacher: »Erzeugnisse seiner Werkstatt«, S. 236, 238 u. 239, in: Grassi Museum (Hrsg.): Friedrich Gottlob Hoffmann, Leipzig 2014. Ausgestellt in gleichnamiger Ausstellung 2014
Das Verwandlungsmöbel kann über verschiedene Tischblätter als Konsol-, Spiel- und Schreibtisch genutzt werden. Über eine Mechanik fährt das Eingerichte aus der Schreibfläche mit 6 kleinen Schubkästen und einer Mitteltüre sowie einem »Kopierpulte« hoch.
Der Entwurf von Hoffmann bereits 1787 im »Journal des Luxus und der Moden« als »eine Art englischer Schreibtisch« inseriert, geht auf eine vereinfachte Version der von Abraham Roentgen um 1750 verwendeten Technik zurück. Nach gleichem Prinzip konstruiert, sind die Stahlarme durch hölzerne Eschearme ersetzt.
Lampe-Édouard-Wilfrid-Buquet
Édouard-Wilfrid-Buquet-EB27
Tisch bzw. Wandlampe. Entwurf und Herstellung: Édouard-Wilfrid Buquet…
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Tisch bzw. Wandlampe. Entwurf und Herstellung: Édouard-Wilfrid Buquet (geb. 1886). Patenterstellung 1927 Herstellung um 1930. Originalzustand.
Patenterteilung vor allem wegen des Gelenkes, welches jeden Winkel erfasst.
Tischlampe-Alexander-Michaelowitsch-Rodtschenko
Tischlampe-front-Alexander-Michaelowitsch-Rodtschenko
Tischlampe. Entwurf: Alexander Michaelowitsch Rodtschenko (1891-1956)…
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Tischlampe. Entwurf: Alexander Michaelowitsch Rodtschenko (1891-1956). Ausführungsentwurf von Gemano Celant 1971 für Arteluce/Mailand in Kleinedition von ca 5-10 Exemplaren. Originaletikett. Maße:
H.48,5 cm; B.28 cm; T.33,5 cm
Sekretaer-Johann-Gottlob-Fiedler
Sekretaer-Detail-Johann_Gottlob-Fiedler-offen
Sekretär, Berlin um 1790/95. Entwurf/Werkstatt: Johann Gottlob Fiedler…
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Sekretär, Berlin um 1790/95. Entwurf/Werkstatt: Johann Gottlob Fiedler. Das zierliche mahagoniefurnierte Möbel gehört zu einer inzwischen Fiedler zugeschriebenen Werkgruppe von etwa 10 frühen Schreibschränken, die alle keine 150 cm Gesamthöhe, zumeist statt der Schubladen im Unterteil zwei Türen, hinter der Schreibklappe eine Reihe hellgelber Buchsbaumsäulen in offenen Ablagefächern besitzen und meist mit Zederfurnier ausgekleidet sind. Der einfache Aufbau weist ausgefeilte Details auf wie die flache Schürze an der unteren Traverse, in furnierstärke abgesetzte Füllungen, ausgesucht feine Beschläge wie die zu beiden Seiten des Kopfschubes angebrachten Frauenhermen und vor allem das äußerst fein nuancierte Wedgewoodmedallion, welches von einem Stahlkranz mit polierter Kristallschliffimitation eingefasst wird.

Literatur:
Vergl.: Dr. Achim Stiegel: Berliner Möbelkunst, München/Berlin 2003, S. 351-353 u. 359
Höhe 139,5 cm; Breite 79,5 cm; Tiefe 40,5 cm
Jean-Joseph-Chapuis-Architektentisch
Jean-Joseph-Chapuis-Architektentisch-open
Architektentisch, Entwurf/Werkstatt Jean Joseph Chapuis (1765-1864)
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Architektentisch Werkstatt Jean Joseph Chapuis (1765-1864)
Höhe 74,5 cm – 155 cm; Breite 89,5 cm; Tiefe 65 cm
Empirestuhl-Boehmen-oder-Lombardei
Empirestuhl-Boehmen-oder-Lombardei-detail
Empirestuhl. Außergewöhnlicher skulpturaler Entwurf (Böhmen oder Lombardei?)
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Empirestuhl. Außergewöhnlicher skulpturaler Entwurf (Böhmen oder Lombardei?) 19. Jhrd. Schwarz poliert, geschnitztes und vergoldetes Liliendekor an den Vorderfüßen.
Maße: Höhe 90cm; Breite 48cm; Sitzhöhe 45cm
Herbert-Hirche-Couchtisch-Heißwasserkanne
Herbert Hirche (1910-2002) war einer der einflußreichsten deutschen Möbel- und Produktdesigner sowie auch Architekt.
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Herbert Hirche (1910-2002) war einer der einflußreichsten deutschen Möbel- und Produktdesigner sowie auch Architekt. Eine Schlüsselfigur des deutschen Nachkriegsdesigns in der Tradition des Bauhauses.
Gelernter Tischler, Bauhausschüler, ab 1934 Mitarbeiter von Mies van de Rohe, ab 1939 von Egon Eiermann und nach 1945 von Hans Scharun. Mitglied des deutschen Werkbundes und Präsident des Verbandes deutscher Industriedesigner. 1948-1950 Professor an der Hochschule für angewandt Kunst in Berlin Weissensee. Ab 1952 Professor für Innenarchitektur und Möbelbau an der Akademie für bildende Künste in Stuttgart; zuletzt auch deren Rektor.
Seine Arbeiten wurden 1957 auf der Trienale in Mailand, 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel und auf der Dokumenta III 1964 ausgestellt.
Er entwarf Möbel für die Fa. Christian Hölzäpfel und gestaltete neben Gugelot Produkte für die designorientierte Firma Braun. Später folgte Dieter Rams.
Tee- bzw. Heißwasserkanne von Peter Behrens für AEG um 1910
Stacks Image 15503
Zwei kleine Sideboards. Entwurf: Christa von Paleske für Göppinger Möbelwerkstätte um 1955.
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